Perspektive wechseln – Obwohl Konflikte für viele zumeist unangenehm sind, bieten sie eine große Chance zur persönlichen Weiterentwicklung.  Sei doch mal neugierig, die Perspektive zu wechseln. Schaue wohlwollend hinter deinen scheinbaren Wunsch „recht haben zu wollen“ und nehme verständnisvoll das an, was eher Glück beschert – für beide Seiten.

 

Konflikte – Welche Perspektive nimmst du ein?

In einem Konflikt kannst du verschiedene Perspektiven bzw. innere Haltungen einnehmen. Im Download (siehe unten) findest du eine hilfreiche Übersicht, dich einmal selber zu reflektieren und dir deine Haltung in einem Konflikt anzuschauen. Hierbei werden vier unterschiedliche Herangehensweisen aufgezeigt:

1.) Ich bin nicht okay, du bist nicht okay => Du gibst gleichgültig auf.

2.) Ich bin nicht okay, du bist okay => Du gibst minderwertig und ängstlich nach.

3.) Ich bin okay, du bist nicht okay => Du stellst dich über den anderen und willst dich rechthaberisch durchsetzen.

4.) Du bist okay, ich bin okay => Du möchtest dich wertschätzend zusammensetzen und gemeinsam eine faire Lösung finden. Bei der neugierigen Suche nach einer WINWIN-Einigung steht die Absicht, dass keine der Konfliktparteien das Gesicht verlieren soll. Es geht um das Finden einer fairen Lösung. Es geht darum, dass der zukünftige Kontakt oder die Beziehung gestärkt aus der Auseinandersetzung herausgehen, wenn dies gewünscht ist. Und dies mit einer Lösung, die von beiden Parteien erreicht wurde – motiviert und verantwortungsvoll.

Marshall B. Rosenberg (Psychologe und Mediator) formulierte: „Willst du recht haben oder glücklich sein? Beides geht nicht.“ „Recht haben wollen“ in einer Konfliktsituation ist wie eine Barriere, die den Kontakt versperrt. Und hiermit ist nicht nur der Kontakt zum anderen gemeint, sondern auch der Kontakt zu einem selber. In diesem Modus sitzen wir möglicherweise in einer angst- oder schambesetzten Vergangenheitsnische fest, in die wir uns unbewusst selber mit unserem Geiste hineinbringen. Hiermit verbunden sind Erwartungen an uns und den anderen, die wir sodann in den Konflikt hineintragen. Von uns erwarten wir vielleicht unbewusst, so zu handeln, wie es auch in einem Konflikt innerhalb unserer Herkunftsfamilie getan worden ist. Und vom anderen erwarten wir vielleicht, dass er  gefälligst dankbar sein soll oder uns doch mehr Freiraum geben oder mindestens genau so gerecht und hilfsbereit sein soll, wie wir es selber sind.

Frage dich, was kann schlimmstenfalls passieren, wenn der andere deine Erwartungen nicht erfüllt? Fühlst du dich vielleicht nicht ernst genommen oder zu wenig wertgeschätzt? Hier kannst du einmal tiefer schauen, wenn du magst, und dich ehrlich fragen, ob du dich denn selber ernst nimmst und dir Anerkennung schenkst?

 

Welches grundlegende Bedürfnis wird gerade nicht erfüllt?

 „Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun es andere auch nicht!“, so Rosenberg.  Schaue, was dein grundlegendes Bedürfnis ist, welches nicht erfüllt ist. Was brauchst du gerade wirklich? Ich stelle hier einmal die These auf, dass es „Recht“ nicht ist, was du brauchst. Was meinst du?

Kleiner Bedürfniswortschatz zur Erinnerung: Unterstützung, Struktur, Vertrauen, Selbstannahme, Bewegung, Entwicklung, Erholung, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Sicherheit, Verbindlichkeit, Autonomie, Lebensfreude, Anerkennung, Effizienz, Ruhe, Bewunderung, Ausgleich, Gleichbehandlung, Austausch, Nähe, Akzeptanz, Freude, Orientierung, Dankbarkeit, Klarheit, Wahrgenommen werden, Liebe, Empathie, Gesundheit, Ästhetik, Loslassen, Glück, Wertschätzung, Frieden, Authentizität, Freiheit, Sinn, Kreativität, Kontinuität, Humor, Wirksam sein, Feiern, Herausforderung, Stabilität, Freundschaft, Aktivität, Allein sein, Abendteuer, Aufrichtigkeit, Beständigkeit, Zugehörigkeit, Transparenz, Gelassenheit, Ordnung, Diskretion, Verlässlichkeit …

Welches Bedürfnis versucht du dir mit dem Konflikt zu erfüllen? Ist die Konfliktpartei überhaupt verantwortlich für diese Erfüllung? Was steckt eigentlich hinter deiner Wut oder Angst? Jeder Mensch hat übrigens die gleichen Bedürfnisse; lediglich zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Bleibe nicht in dieser Gefühlsecke, die in dir selber verankert ist und nicht von außen kommt, mit den alten Verlust- und Angriffsgedanken stehen, sondern treffe eine neue Wahl. Und so tun sich auch neue ungeahnte Chancen auf: Welche Strategie -also welches Vorgehen- würde dein Bedürfnis und gleichzeitig das derzeitige Bedürfnis des anderen erfüllen? Kennst du das wahre Bedürfnis des anderen überhaupt?

Habe keine Sorge, dass du etwas aus der Vergangenheit verlierst oder krampfhaft verteidigen musst, sondern richte den offenen Blick auf das Neue, worauf du oder ihr gemeinsam zuversichtlich zugehen könnt. Mit dieser neuen Aussicht ist „Ordnung nach Chaos“ möglich.

Lasse los, lerne dich durch den Konflikt besser kennen und wähle deine Perspektive! Wähle Glück oder pragmatisch gesprochen: wähle doch mal Eisessengehen.

Eine kleine Geschichte – Vergangenes loslassen

Die Mönche Tanzan und Ekido

Es geht die Legende, dass zwei Zen-Mönche mit den Namen Tanzan und Ekido eines Tages auf einer Landstraße in Japan unterwegs waren, die nach schweren Regenfällen völlig aufgeweicht war. In der Nähe eines Dorfes begegneten sie einer jungen Frau, die gerne die Straße überqueren wollte. Doch der Schlamm war so tief, dass er ihren Seidenkimono verdorben hätte. Tanzan hob die Frau ohne zu zögern auf und trug sie auf die andere Seite. Danach gingen die Mönche schweigend weiter. Fünf Stunden später, als sie sich dem Tempel näherten, in dem sie logierten, konnte Eikido sich nicht länger beherrschen. „Wie konntest du nur die Frau über die Straße tragen?“ fragte er. „Wir Mönche dürfen so etwas doch nicht tun!“ „Ich habe die Frau vor Stunden abgesetzt“, sagte da Tanzan. „Trägst du sie noch immer?“ (Quelle: Hanna Milling (2016): Storytelling – Konflikte lösen mit Herz und Verstand. Eine Anleitung zur Erzählkunst mit hundertundeiner Geschichte, Wolfgang Metzner Verlag, Frankfurt am Main)

Was trägst du noch mit dir rum und was erfüllst du dir damit?

„Konflikte sind der tragische Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse.“ Marschall B. Rosenberg

Download: „WIN-WIN-Prinzip“

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