Wie jeder einzelne in einem Konflikt handelt, kann sehr unterschiedlich sein. Dies zeigt sich auch in der Redensart „wie Hund und Katze“. In Streitsituationen werden so zum Beispiel Verhaltensweisen des anderen oft fehlinterpretiert, wenn unterschiedliche, charakterabhängige Konfliktstile aufeinanderstoßen.

Um einer Konflikteskalation vorzubeugen oder sich bewusst einer Streitsituation zu stellen, kann es hilfreich sein, sich mit den unterschiedlichen Konfliktstilen zu beschäftigen. Insbesondere die Auseinandersetzung mit den eigenen Eigenschaften kann Klarheit bringen. Dadurch wird das eigene Spektrum an Reaktionsmöglichkeiten erweitert und damit die persönliche Selbstwirksamkeit erhöht.

Welchen Konfliktstil wählst du?

Bernhard Meyer unterscheidet in seinem Buch „Die Dynamik der Konfliktlösung“ insgesamt elf Pole. Diese werden den drei übergeordneten Konfliktdimensionen -kognitiv, emotional und verhaltensbezogen- zugeordnet.

Im Folgenden werden jeweils zwei polare Merkmale eines Konfliktstils je Konfliktdimension aufgezeigt. Es geht nicht darum, dass du dich immer einer bestimmten Kategorie einordnest, sondern, dass du dir bewusst wirst, welcher Stil dich prägt. Sodann kannst du wählen und je nach Konfliktumstände deinen Stil variieren. Beachte, dass auch die Umstände und der Stil deines Gegenübers einen Einfluss auf deinen eigenen Konfliktstil haben. Zudem haben die unterschiedlichen Stile untereinander bestimmte Wechselbeziehungen.

Als Hilfestellung kannst du dir auch einen vergangenen oder noch bestehenden Konflikt als Beispielsituation vor Augen führen und so die Fragen leichter für dich beantworten.

A) Bei den kognitiven Variablen geht es darum, wie Menschen einen Konflikt deuten, wie sie ihre Vorstellung darstellen und wie sie an den Lösungsprozess herangehen:

Analytisch oder intuitiv

Analysierst du sämtliche Informationen in einem Konflikt und argumentierst logisch? Das heißt, du wägst zum Beispiel Kosten, Vorteile und Möglichkeiten gegeneinander ab. Behandelst du anstehende Fragen nacheinander? Oder neigst du dazu, intuitiv zu reagieren? Stehen bei dir deine spontane Wahrnehmung  und deine augenblicklichen Gefühle im Vordergrund, von denen du dich in einer Streitsituation leiten lässt?

Ergebnisorientiert oder prozessorientiert

Bist du bei einem Konflikt in erster Linie auf das Ergebnis konzentriert? Ist für dich wichtig, welcher Schritt zu welchem Zeitpunkt der richtige ist? Oder machst du dir eher Gedanken darüber, wie der Interaktionsprozess abläuft?

B) Die innere Haltung hinsichtlich eines Konfliktes wird bei den emotionalen Variablen deutlich:

Emotional oder rational

Neigst du eher dazu, gefühlsbetont zu reagieren? Hast du deine emotionalen Befindlichkeiten im Fokus? Oder konzentrierst du dich auf den logischen Denkprozess zur Lösung des Konfliktes? Die beiden Pole müssen auch nicht zwingend einen Gegensatz bilden.

Begeistert oder zögernd

Wo liegt deine Toleranzschwelle gegenüber Konflikten? Bist du ein Konfliktfan und fühlst dich in einem Konflikt regelrecht lebendig? Siehst du eine Belebung einer Situation, wenn sich ein Konflikt abzeichnet oder du diesen sogar anfängst? Bist du der Meinung, dass jeder Konflikt ausgetragen werden sollte? Oder zögerst du eher und fühlst dich in einem Konflikt unbehaglich? Bleibst du lieber auf Distanz und beteiligst dich eher nicht an einem Streit? Gehst du jeder direkten Interaktion mit deinem Kontrahenten aus dem Weg?

C) Auswirkungen auf den Verlauf eines Konfliktes haben auch die verhaltensbezogenen Variablen.

Direkt oder indirekt

Trägst du deine Probleme, Gefühle und Wünsche sehr direkt und unmissverständlich vor? Siehst du einen Konflikt als passende Gelegenheit, dein Herz auszuschütten? Legst du viel Wert auf Offenheit in der Kommunikation? Oder sprichst du eher abstrakt und vorsichtig? Nutzt du lieber Ersatzthemen, Metaphern oder dritte Personen? Hälst du es für kränkend oder peinlich, wenn du (oder jemand anderes) Gefühle offen ausbreitest? Vielleicht kannst du aber auch je nach Kontext beide Tendenzen zeigen?

Drohend oder versöhnlich

Schüchterst du andere in einem Konflikt ein, um deinen Willen durchzusetzen? Drohst du mit unangenehmen Konsequenzen und nutzt alle dir zur Verfügung stehenden Mittel von gewalthaften Zwang? Oder beschwichtigst du deinen Kontrahenten? Versuchst du Beziehungen wieder in Ordnung zu bringen und Gewalt um jeden Preis zu verhindern?

Werde dir deiner Wesensmerkmale bewusst

Insbesondere in Konfliktsituationen werden die Charaktereigenschaften eines Menschen deutlich. Je  flexibler eine Person reagieren kann, desto besser kann sie häufig mit Konflikten in ihrem Leben umgehen. Manche neigen in Konflikten zu einer stark eingeschränkten Reaktion. Andere können situationsabhängig ihren Konfliktstil wählen. Durch die Auseinandersetzung mit seinem eigenen Verhalten, kann Persönlichkeitsentwicklung gefördert und somit auch an den Beziehungen zu anderen gearbeitet werden. Welche Gewohnheiten habe ich? Welche Gewohnheiten hat mein Gegenüber? Wie kann ich meinen Handlungsspielraum vergrößern? Im Arbeitsumfeld kann übrigens auch das Unternehmen selber einen bestimmten Konfliktstil aufweisen, der nicht unbedingt von den Einzelpersonen geteilt werden muss.

Sehe statt den Fluch, den Segen eines Konfliktes. Nutze die Chance, die Ursprünge der (Selbst-)Zweifel und deine Bedürfnisse sowie Ressourcen zu erkennen und daran zu wachsen.

Quelle: Mayer, Bernard (2000): Die Dynamik der Konfliktlösung. Ein Leitfaden für die Praxis. Klett-Cotta. Stuttgart 2007

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